Themen: Kultur, Gleichstellung
Regionen: International, Nordamerika, Europa
Camille Urso tritt 1872 erstmals im Londoner Crystal Palace bei einem Mendelssohn-Gedenkkonzert auf und erhält rasch viel Anerkennung. Ihr Erfolg fällt in eine Zeit, in der professionelle Violinistinnen in England wegen rigider Geschlechtervorstellungen stark ausgegrenzt werden. Kritiker loben besonders ihre Ausdruckskraft, während konservative Ansichten über Musikerinnen allmählich an Einfluss verlieren; im selben Jahr nimmt die Royal Academy of Music erstmals eine Violinstudentin auf. Urso selbst bleibt dem Londoner Publikum später gegenüber kritisch. Nach dem Sommer reist sie auf eine weitere Nordamerika-Tournee: Konzerte führen sie nach New York, Kanada, Louisiana und New Orleans, wo ihre Auftritte das Musikleben beleben sollen. In Boston zwingt sie eine gesundheitlich unklare Erkrankung nach dem letzten Recital zu mehrwöchiger Bettruhe. Die Belastung ihrer unablässigen Tourneen wird damit zunehmend sichtbar.