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Langsame Argumente und schnelle Emotionen

Journal21
Langsame Argumente und schnelle Emotionen

Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton, Demokratie

Regionen: International, International Unbestimmt

Soziale Plattformen schaffen nach dieser Deutung ein Mediotop, in dem Mündlichkeit, Video und unmittelbare Ansprache gegenüber der schriftlichen Erörterung an Gewicht gewinnen. Der Rückblick auf das antike Athen unterscheidet Rhapsoden, die kulturelle Erzählungen lebendig hielten, von Sophisten, die gegensätzliche Positionen rhetorisch plausibel machen konnten. Im postfaktischen Klima verschiebt sich Wahrheit damit von der Übereinstimmung einer Aussage mit Tatsachen zur vermeintlichen Enthüllung verborgener Zusammenhänge. Politiker können etwa eine positive ökonomische Faktenlage gegen das Gefühl wenden, alles gehe bergab, oder hinter sichtbaren Absichten geheime Machenschaften behaupten. Die Überzeugungskraft liegt auch im Klang, in der Authentizität der Stimme und im Appell ans Bauchgefühl. Influencer verkörpern eine zeitgemässe rhapsodische Form des Erzählens auf Instagram und TikTok. Schrift bleibt jedoch wichtig, weil sie Leserinnen und Lesern Distanz, Perspektivwechsel und Zeit zur kritischen Prüfung eröffnet. Gefordert sei daher eine erneuerte Praxis des Lesens und Schreibens.

www.journal21.ch

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