Themen: Gesellschaft, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Westasien, Europa
Die Proteste junger Menschen in Europa spiegeln nach Ansicht eines iranischen Exilprofessors mehr als Ärger über Schule, Löhne, Wohnraum und Zukunftsperspektiven. Dahinter stehe das Gefühl, auf die Entscheidungen über die eigene Zukunft und die Welt keinen Einfluss mehr zu haben. Der Autor verbindet dies mit Begegnungen im Beirut des Jahres 2015, als drei junge Europäer dem sogenannten Islamischen Staat beitreten wollten, weil sie ihrem Leben in ihren Herkunftsländern keinen Sinn mehr zuschrieben. Auch im Iran und weiteren Teilen des Nahen Ostens kämpften junge Menschen trotz Repression und Gewalt darum, ihre Geschichte mitzugestalten; die Massaker vom Januar 2026 hätten Tausende junge Menschen das Leben gekostet. Weltweit reduzierten politische Macht, wirtschaftliche Ungleichheit, Bürokratie und ein konkurrenzorientiertes System die Jugend auf Arbeit und Konsum. Die Demonstrationen seien daher ein Anspruch auf Würde, Freiheit und gesellschaftliche Wirksamkeit. Dieser Anspruch müsse gehört werden, bevor Händler des Hasses neue Illusionen anböten.