Themen: Gesellschaft, Migration/Asyl, Ungleichheit
Regionen: International, Europa
Nach den Ausschreitungen und Plünderungen vom vergangenen Wochenende in Mailand fordert der Stadtanthropologe Paolo Grassi eine soziale statt vorwiegend repressive Analyse. Viele beteiligte Jugendliche kämen aus lombardischen Provinzen und dem Mailänder Umland, teils aus Familien mit Migrationsgeschichte in zweiter oder dritter Generation. Sie seien von studentischen Kollektiven und sozialen Bewegungen weitgehend getrennt, obwohl Themen wie hohe Mieten, steigende Lebenshaltungskosten und unzureichend ausgestattete Schulen sie ebenfalls beträfen. Die Organisatoren der Demonstration distanzierten sich von der Gewalt; zugleich hätten Bewegungen, Institutionen und die Stadt erste Diskussionen und Versammlungen angestossen. Grassi verweist auf Wohnungsnot, Arbeitsprobleme und Bildungsarmut in ärmeren Quartieren, die Menschen am gesellschaftlichen Rand besonders träfen. Die Geschichte eines zwölfjährigen Plünderers zeige zudem Integrationsprobleme, Armut und die Marginalisierung seiner Familie. Stigmatisierung junger Menschen mit Migrationsgeschichte könne laut Grassi die Übernahme eines kriminellen Images fördern. Er kritisiert verschärfte Gesetze und mehr militärische Präsenz als unzureichende Reaktion.