Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur
Ein Kommentar stellt die publizistische Eigenständigkeit der NZZ unter Chefredaktor Eric Gujer infrage und vergleicht ihre Haltung mit jener des Tages-Anzeigers. Trotz unterschiedlicher Traditionen und Redaktionen näherten sich die beiden Zürcher Zeitungen laut dem Autor bei grossen politischen Fragen an. Dies betreffe insbesondere eine engere institutionelle Bindung der Schweiz an die EU, die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland sowie die Kritik an Blochers Neutralitätsinitiative. Der Autor beanstandet nicht, dass eine Zeitung Position beziehe, sondern eine aus seiner Sicht einseitige Haltung ohne genügend kritische Fragen zu Kosten, Eigenständigkeit, direkter Demokratie, Föderalismus und langfristigen Folgen. Auch bei Woke-Themen, Sprachregeln und Identitätspolitik erkenne er eine stärkere Orientierung der NZZ am gesellschaftlichen Mainstream. Für die Schweizer Medienlandschaft sei diese Annäherung problematisch, weil sie die Vielfalt der Grundannahmen verringere. Die NZZ solle nach Gujer wieder stärker Fragen aufwerfen, die andere Medien nicht stellten.