Themen: Leben, Gleichstellung
Regionen: International, International Unbestimmt
Der Duft von Leder galt in der Parfümerie lange als eindeutig männlich und konnte einer Komposition allein durch seine Präsenz ein Geschlecht zuschreiben. Diese Zuordnung verliert an Bedeutung. Leder wird heute stärker über seine sinnlichen Eigenschaften verstanden: als Textur, Dichte, Kontrast oder taktile Wirkung. Seine Facetten können animalisch, rauchig, weich, trocken oder fleischlich wirken, ohne dass daraus zwingend ein Duft für Männer oder Frauen wird. Beispiele reichen von Thibaud Crivellis Cuir Infrarouge mit Himbeere über Jean Paul Gaultiers Cuir 1976 mit Kastanie bis zu Diors floral und sanft angelegtem Cuir Saddle. Auch Kombinationen mit traditionell weiblich gelesenen Noten verändern die alten Codes. Mit Rose gewinnt Leder Tiefe und eine neue Sinnlichkeit; Iris, Veilchen und Vanille eröffnen weitere Mischformen. So werden die Kategorien, nach denen Düfte sofort als männlich oder weiblich erkennbar waren, zunehmend verwischt.