Themen: Kultur, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Die Manifesta 16 bespielt bis Anfang Oktober zwölf entweihte Kirchen in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg. Die europäische Wanderbiennale will angesichts schrumpfender Gemeinden und hoher Kosten Möglichkeiten für die säkulare Nachnutzung ehemaliger Sakralbauten zeigen. Mitkurator Josep Bohigas versteht Kirchen vor allem als Orte von Nachbarschaft und Nähe, nicht als religiöse Räume. Arbeiten wie Superflex’ «Sleeping Jesus», Mirosław Bałkas Kohle-Skulptur «Madonna», Ayşe Erkmens digitaler Beichtstuhl und Luc Tuymans’ Fries aus bearbeiteten Standbildern von Leni Riefenstahls «Triumph des Willens» greifen Religion, Industriekultur und politischen Rechtsruck auf. Andere Projekte verwandeln Kirchen in Spielplätze, Klanginstallationen oder Begegnungsräume. Die Kritik würdigt einzelne Werke, bezweifelt aber, dass die Biennale den bereits laufenden Wandel entscheidend vorantreibt. Viele Gebäude werden ohnehin schon als Kulturorte, Büros oder Bäckereien genutzt. Zudem bleibe das symbolische Gewicht der Religion trotz Umnutzung bestehen.