Themen: Krieg&Frieden, Kultur
Regionen: International, Europa
Melina Borčak, Journalistin, Filmemacherin, Buchautorin und Medienkritikerin, kritisiert eine ihrer Ansicht nach undifferenzierte Berichterstattung über Bosnien und den Genozid an Bosniakinnen und Bosniaken. Sie wirft Medien, darunter dem SRF, vor, die Ereignisse von Srebrenica zu verharmlosen und den historischen Zusammenhang zu wenig zu vermitteln. Borčak betont, der jüngste Genozid sei nicht auf wenige Tage in Srebrenica begrenzt gewesen, sondern habe während vier Jahren das ganze Land betroffen. In der Geschichte Bosniens habe es insgesamt elf Genozide gegeben. Den Begriff Bürgerkrieg lehnt sie für den Bosnienkrieg ab: Sie beschreibt ihn als Angriffskrieg Serbiens und später Kroatiens mit dem Ziel, Bosnien aufzuteilen. Sie verweist zudem auf ausländische Kollaboration, mehr als 50’000 vergewaltigte Mädchen und Frauen sowie rund 104’000 Tote. Im Gespräch thematisiert sie auch Probleme der bosnischen Politik und Unabhängigkeitsbestrebungen der Republika Srpska.