Themen: Migration/Asyl, Geopolitik, Gesellschaft
Regionen: International, Europa, Afrika
Ende Juli gelangten innerhalb weniger Tage bis zu 72’000 Migrantinnen und Migranten von Marokko aus nach Ceuta, der spanischen Exklave auf afrikanischem Boden. Mindestens 140 Menschen starben dabei. Italien setzte daraufhin die Schengen-Freizügigkeit mit Spanien aus und initiierte mit 22 EU-Staaten einen Brief, der Spaniens Migrationspolitik kritisierte und ein härteres Vorgehen gegen irreguläre Migration verlangte. Spanien kündigte seinerseits Kontrollen für Flüge und Schiffe aus Italien an. Im Zentrum steht die Rolle Marokkos als Partner der europäischen Abschottungspolitik. Rabat erhielt seit 2019 mehrere hundert Millionen Euro von der EU für migrationspolitische Zusammenarbeit und Grenzüberwachung, dazu 123 Millionen Euro aus bilateralen Abkommen mit Spanien. Berichten zufolge könnte Marokko die Grenzübertritte zugelassen haben, um Spanien in der Westsahara-Frage unter Druck zu setzen. Der Beitrag deutet solche Vereinbarungen als System, in dem Staaten die Bewegungen Schutzsuchender begrenzen und Menschen zu Verhandlungsmasse für Geld, Handelsvorteile und politische Zugeständnisse machen.