Themen: Migration/Asyl, Gesellschaft, Wirtschaft/Finanzen
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur, International, Europa
Bewohner:innen des italienischen Bergdorfs Lamon wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg in grosser Zahl nach Winterthur aus, wo Firmen wie Rieter, Sulzer, SLM und die Spinnerei Töss Arbeitskräfte suchten. In Töss lebten zeitweise mindestens siebzig Familien aus Lamon. Armida und Giovanni Malacarne zogen in den 1950er Jahren als Jugendliche in die Schweiz; Giovanni arbeitete 36 Jahre bei Rieter. Firmenvertreter rekrutierten junge Menschen direkt in Lamon und liessen Verträge vor Ort unterschreiben. Viele Arbeitsmigrant:innen erlebten zugleich Fremdenfeindlichkeit und Einschränkungen beim Familiennachzug. Nach dem Rentenalter kehrten zahlreiche Angehörige der ersten Generation nach Italien zurück, oft ohne ihre in Winterthur aufgewachsenen Kinder. In Lamon stehen heute mindestens vierzig Prozent der Immobilien leer, obwohl Rückkehrende dort mit Schweizer Ersparnissen Häuser bauten oder renovierten. Die Verbindung zu Winterthur bleibt in Erinnerungen, Vereinen und Sprachspuren sichtbar.