Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Bern/Freiburg
Sarah Elena Müllers zweiter Roman «Unwucht» folgt der Ich-Erzählerin Alice, die sich mit Service- und Gelegenheitsjobs durchschlägt und mit ihrem Partner Rio in einer toxischen Beziehung lebt. Rio rutscht in Drogen, Kleinkriminalität und zeitweise ins Gefängnis; Alice kann sich trotz Erniedrigungen und Hilfe von Freundinnen lange nicht von ihm lösen. Sieben Jahre später blickt sie auf diese Zeit zurück und sucht Rio erneut auf. Die Erzählung arbeitet mit Zeitsprüngen und stellt die Frage, wie Erinnerungen durch Verdrängung und andere Menschen verändert werden. Der namenlose Schauplatz erinnert wiederholt an Bern, mit besetzten Häusern, baufälligen Wohnblocks und alternativer Kulturszene. Auch der Fall des «Heilers von Bern» wird mit Alice und Rio verbunden. Der Roman verbindet eine unromantische Milieuschilderung mit humorvollen, pointierten Passagen und Gesellschaftskritik.