Themen: Gesellschaft, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Vor einer bevorstehenden Abstimmung liegen bereits erste Umfragen vor, doch ihr Verhältnis zum späteren Urnengang bleibt offen. Hans Rudolf Schneider nimmt dies zum Anlass, den Schweizer Drang zu Studien, Messungen und Datenauswertungen zu betrachten. Mediennutzung, Jugendstress, Sportgewohnheiten, Haustierverhalten und die Kosten eines künftigen AKW würden fortlaufend untersucht und für Präsentationen sowie soziale Medien verdichtet. Forschung sei grundsätzlich vernünftig, schreibt er, auffällig sei jedoch die Erwartung, jede neue Zahl könne Wesentliches über das Land erklären. Während andere zuerst stritten und danach zählten, zähle die Schweiz zuerst und streite anschliessend über die Ergebnisse. Politische Unsicherheit, gesellschaftliche Unruhe und kulturelle Eigenarten liessen sich aber nicht vollständig in PDFs und Fazitkästen fassen. Die Vielzahl der Studien schaffe nicht zwingend mehr Sicherheit, sondern oft neue Nervosität. Darin zeigt sich nach Schneider auch ein Misstrauen gegenüber dem eigenen Gefühl: Erst bestätigte Daten machten längst vorhandene Ahnungen glaubwürdig.