Themen: Kultur/Feuilleton, KI/Digital, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Carlo Baggi unterscheidet das «Nulla» als noch nicht materiell wahrnehmbare Möglichkeit vom «Niente» als völliger Nichtexistenz und fragt, welchem Zustand die Gegenwart zustrebt. Künstliche Intelligenz und Robotik weckten den menschlichen Wunsch, selbst zu Schöpfern zu werden. Zugleich beobachtet er in Europa angesichts umliegender Kriege sowie Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten in Frankreich, Spanien und Italien eine wachsende Unruhe. Die Proteste könnten nach seiner Einschätzung von legitimer sozialer Unzufriedenheit in Aufruhr übergehen; Plünderungen und Schäden deutet er als mögliches Resultat gezielter Anstiftung. Historische Revolutionen hätten ebenfalls jeweils über ihre unmittelbaren Auslöser hinausreichende Ursachen gehabt. Baggi warnt ferner, Krisen könnten institutionelle Mechanismen beschleunigen, welche private Tätigkeiten einschränkten. Als mögliche Folgen nennt er eine ausschliessliche Digitalwährung zur Kontrolle und eine vollständige Elektrifizierung des Verkehrs, die angesichts des Energiebedarfs von KI die Mobilität begrenzen könnte. Er plädiert dafür, Fortschritt kritisch auf seinen Einfluss auf Identität und Freiheit zu prüfen.