Themen: Gesellschaft, Gesundheit
Regionen: International, Russland/Eurasien
Bewohnerinnen und Bewohner rund um das frühere Atomtestgelände Semipalatinsk in Kasachstan werden laut Betroffenen und Fachleuten bis heute als radioaktiv belastet und genetisch geschädigt stigmatisiert. Diese Zuschreibungen beeinträchtigen besonders die Partnersuche und Eheschliessungen. Botagoz berichtet, dass ihre Mutter in den 1970er-Jahren in Almaty wegen angeblicher Radioaktivität gemieden wurde; später habe sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht. Eine 2024 veröffentlichte Umfrage der Opferorganisation Polygon 21 hält fest, dass Heiraten schwierig werde, weil Betroffene als Träger genetischer Mutationen gälten. Als Poligonski gelten insbesondere Menschen aus Dörfern nahe der Testzone, wo Ärztinnen und Ärzte in den 1950er-Jahren das Kainar-Syndrom mit chronischen Beschwerden nach radioaktivem Fallout beschrieben. Der frühere Direktor des Instituts für Radiobiologie in Semey verweist zudem auf lokale Mythen über eine angebliche Anpassung an Strahlung. Viele Betroffene heiraten laut Anthropologin innerhalb ihrer eigenen Gruppe, teils in arrangierten Verbindungen.