Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: International, Afrika
Tausende äthiopisch-orthodoxe Gläubige pilgern im Januar zur Timkat-Feier nach Lalibela, wo elf in Fels gehauene Kirchen zum UNESCO-Welterbe gehören. Priester, Musik, Tänze und Prozessionen prägen das Epiphaniasfest. Im Mittelpunkt stehen Tabots, verhüllte Nachbildungen der Bundeslade, die aus den Kirchen getragen werden. Nach der äthiopischen kirchlichen Überlieferung befindet sich die einzige echte Bundeslade, Tabot Zion, in der Kathedrale St. Maria von Zion in Axum und wird von einem einzigen Priester bewacht. Diese Auffassung findet ausserhalb Äthiopiens keinen Widerhall; die Bundeslade gilt in jüdischen, muslimischen und christlichen Traditionen sonst als verschollen. Lalibela versteht sich nicht als Museumsstadt, sondern als lebendiger religiöser Ort. Zugleich beklagen lokale Stimmen, hohe Eintrittspreise und touristische Inszenierungen erschwerten vielen Gästen das Verständnis für die religiöse Bedeutung von Timkat. Ein Teil des Klerus lebt trotz Einnahmen aus dem Tourismus in ähnlicher Prekarität wie die übrige Bevölkerung.