Themen: Wirtschaft/Finanzen, Geopolitik, Gesellschaft
Regionen: International, International Unbestimmt
Der Neoliberalismus ist nach dieser Analyse trotz Finanzkrise, Brexit, Trump und Coronapandemie nicht verschwunden, sondern hat sich verändert. Statt globaler Marktöffnung verbindet er sich zunehmend mit ethnonationalistischen und autoritären Kräften. Neoliberalismus wird dabei nicht nur als Forderung nach weniger Staat verstanden, sondern als Ordnung, in der ein starker Staat Markt- und Kapitalinteressen absichert, notfalls gegen Gewerkschaften und demokratische Prinzipien. Historische Beispiele reichen von Reagan und Thatcher bis zum chilenischen Pinochet-Regime. Quinn Slobodian bezeichnet die neue Verbindung aus neoliberaler Ökonomie und rassistisch-patriarchalen Positionen als «new fusionism». Branko Milanović spricht von nationalem Marktliberalismus, der neoliberale Prinzipien auf den heimischen Markt begrenzt und internationale Verflechtung zurückdrängt. Die Entwicklung wird mit wachsender Ungleichheit, dem Aufstieg Chinas und rechten politischen Erfolgen verknüpft. Die Allianz zwischen Kapitalinteressen und völkischem Nationalismus gilt jedoch als konfliktanfällig.