Themen: Geopolitik, Demokratie, Gesellschaft
Regionen: International, Nordamerika, Europa
Anton Jäger deutet die gegenwärtige politische Unruhe als «Hyperpolitik»: Online geprägte, emotional aufgeladene und kurzlebige Mobilisierungen hätten seit den 2010er Jahren alte Parteibindungen geschwächt. Diese Dynamik erfasse nicht nur Bewegungen und Wählerschaften, sondern auch westliche Eliten. Globalisierung, Deregulierung, wachsende Ungleichheit und der Verlust lokaler Parteistrukturen erschwerten es Regierungen, stabile Wählerkoalitionen und gemeinsame Strategien verschiedener Kapitalfraktionen zu bilden. Donald Trump sei weniger Ursprung als besonders wirksames Symptom dieser Entwicklung. Seine auf mediale Ereignisse, Deadlines und exekutive Aktionen ausgerichtete Politik erweitere die Hyperpolitik zur Hypergeopolitik. In Europa zeige sich die Inkohärenz laut Jäger in wirtschaftlicher Stagnation, Energieproblemen, Wiederbewaffnung und der Abhängigkeit von den USA. Dem stellt er Chinas stärker parteigesteuerte und langfristig planende Ordnung gegenüber, deren Stabilität jedoch auf Kontrolle, Überwachung und Repression beruhe.