Themen: Ukraine Krieg, Krieg&Frieden, Neutralität
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Manfred Böhm kritisiert die deutsche Debatte über den Ukrainekrieg und besonders kirchliche Stimmen, die Waffenlieferungen an die Ukraine ethisch rechtfertigen. Er stellt ihnen die Haltung des Vatikans gegenüber, der nach seiner Darstellung auf diplomatische Äquidistanz, das Ende der Gewalt und offene Gesprächskanäle zu beiden Konfliktparteien setzt. Böhm wirft deutschen Bischöfen, Sozialethikern und der Theologin Regina Elsner vor, eine westlich geprägte Kriegserzählung zu übernehmen und Friedensverhandlungen zu diskreditieren. Der Autor verweist auf das Treffen des vatikanischen Aussenbeauftragten Paul Richard Gallagher mit Sergej Lawrow in Moskau. Er wertet die von Lawrow gelobte «ausgewogene Position» des Heiligen Stuhls als Ansatzpunkt für weitere humanitäre Gespräche. Eine mögliche Mission von Kardinal Matteo Zuppi solle Fortschritte bei Gefangenenaustauschen und der Rückkehr verschleppter ukrainischer Kinder ermöglichen. Zugleich hält Böhm fest, Papst Leo XIV. bezeichne die russische Invasion als Bruch des Völkerrechts, verzichte aber auf die Bezeichnung «Aggressor», um Vermittlung zu ermöglichen.