Themen: Kultur/Feuilleton, Gleichstellung
Regionen: International, International Unbestimmt
Sophia Fritz verbindet in ihrem Sachbuch «Der Mann, das Opfer» feministische Kritik mit Empathie für Männer. Ausgangspunkt ist der Tod ihres Bruders, der nach einer Körperoptimierung im Fitnesskontext an den Folgen einer Medikamentenabhängigkeit starb. Fritz befragt Männer aus ihrem Umfeld sowie Fachleute und untersucht, wie männliche Rollen Gefühle und Bedürfnisse unterdrücken. Dabei hält sie fest, dass Männer strukturelle Macht besitzen und zugleich unter patriarchalen Erwartungen leiden können. Die Rezension lobt das Buch als zugängliches Gesprächsangebot, das zwischen Essay, Reportage und persönlicher Reflexion wechselt. Sie fragt aber, ob Mitgefühl als politische Kategorie ausreicht oder strukturelle Ungleichheit zu stark auf zwischenmenschliche Gefühle reduziert. Auch die materiellen und institutionellen Interessen an der patriarchalen Ordnung sowie Unterschiede zwischen queeren, trans, migrantisierten und klassenverschiedenen Männlichkeiten könnten nach Ansicht der Rezensentin stärker berücksichtigt werden. Das Buch erschien 2026 im Hanser Verlag.