Themen: Kultur/Feuilleton, Krieg&Frieden, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Silvia Berger Ziauddins Buch «Bunkerland» rekonstruiert die Schweiz als Bunkerland des nuklearen Zeitalters. Nach 1945 und besonders mit der Zivilschutzgesetzgebung von 1962 entstand rasch ein dichtes Netz von Schutzräumen; 1970 gab es Plätze für 2,3 Millionen Menschen. Der Bunker wurde als behaglicher Rückzugsort für Kernfamilien propagiert, war aber zugleich ein streng reglementierter Raum mit einem Schutzraumchef und Vorgaben bis zum WC-Papierverbrauch. Kritik an der atomaren Aufrüstung und kulturelle Darstellungen der Folgen eines Atomkriegs untergruben ab Ende der siebziger Jahre die Vorstellung einer sicheren Überlebensinsel. Jugendliche, Punkbewegung und andere Nutzer eigneten sich Bunker als autonome Räume, Bars, Fitness- und Proberäume an. Nach dem Kalten Krieg verloren sie ihre frühere Funktion; ab 1990 wurden auch Geflüchtete unterirdisch untergebracht. Schweizer Firmen exportierten Bunkerwissen unter anderem nach Saudi-Arabien, Libyen und Irak.