Themen: KI/Digital, Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Sprachmodelle haben den Schreiballtag verändert und stellen Fragen nach Autorschaft, Glaubwürdigkeit und literarischer Originalität. Der Essay knüpft an Italo Calvinos Überlegungen von 1967 an, wonach Sprache und Kunst als kombinatorische Prozesse in Maschinen umgesetzt werden könnten. Heute arbeiteten Autor und Algorithmus zunehmend zusammen, wobei sich ihre Anteile am Resultat schwer unterscheiden liessen. Als Gefahr beschreibt der Text einen «Modell-Kollaps»: Werden Systeme mit selbst erzeugten Texten trainiert, könnten sie Stil und Gedanken zur statistischen Mitte hin glätten. Seltene Ausdrücke, gewagte Metaphern und ungewöhnliche Assoziationen drohten einem sprachlichen Einheitsstil zu weichen. Zugleich könnten Prüfverfahren und Kennzeichnungen menschlich erzeugter Texte an Bedeutung gewinnen. Der Essay plädiert dennoch nicht für eine Rückkehr zu früheren Praktiken. Schreiben bleibe ein Handwerk, das Routine, Lesen, sprachliches Gespür und die Fähigkeit zum Scheitern erfordere. Seine Quelle liege in der Begegnung mit Menschen und Dingen ausserhalb des Textes.