Themen: Kultur/Feuilleton, Gleichstellung, Leben
Regionen: International, Europa
Im Café de Flore in Paris begegnet die Gegenwart aus Rosé, Kaviar, Dior-Taschen und «Emily in Paris» dem Erbe Simone de Beauvoirs. Die Philosophin und Schriftstellerin schrieb, ass, diskutierte und traf sich regelmässig in dem später legendär gewordenen Kaffeehaus. In ihren Memoiren schilderte sie den frühen Entschluss, nicht in einem Leben aus täglichem Kochen und Abwasch aufzugehen. De Beauvoir entschied sich gegen Ehe und Kinder, führte mit Jean-Paul Sartre eine offene Beziehung und engagierte sich für das Recht auf Abtreibung, die Unabhängigkeit Algeriens und gegen den Vietnamkrieg. Ihr Werk «Das andere Geschlecht» begleitet den Besuch im Flore und wirft die Frage auf, wie sich die Bindung von Frauen an Männer als Partner, Angehörige und Unterdrücker überwinden lässt. Das Lokal erscheint zugleich als konsumorientierte Popkulturkulisse. Als persönliches Leitmotiv bleibt ein Zitat de Beauvoirs von 1947: Sie wolle vom Leben alles – arbeiten, schreiben, reisen, sich vergnügen, verbunden und allein sein.