Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Innen-Politik
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Ein fiktiver Dialog untersucht die Bedeutung der Unschuldsvermutung anhand eines mutmasslichen Messerstechers. Die Gesprächspartner halten fest, dass die Unschuldsvermutung keine alltägliche Annahme über die tatsächliche Schuld ist, sondern eine verbindliche Regel für Ermittlungen und Gerichtsverfahren. Behörden müssen Beweise sammeln, und erst ein Gericht entscheidet, ob diese für eine Verurteilung reichen. Die Formel soll Vorverurteilungen verhindern, die auch den Prozess beeinflussen könnten. Daneben geht es um den Begriff «unterprivilegiert». Der Dialog stellt dessen sprachliche Logik infrage: Privilegien seien Vorrechte, weshalb «unterprivilegiert» missverständlich wirke. Als mögliche Herkunft wird das englische «underprivileged» genannt, das als weniger stigmatisierende Bezeichnung für Armut, soziale Unterschicht oder Benachteiligung verwendet werde. Vorgeschlagen werden präzisere Formulierungen wie «weniger gut gestellt» oder «benachteiligt». Abschliessend wird die Vaterschaftsvermutung als Beispiel genannt, bei dem eine rechtliche Vermutung unmittelbar praktische Folgen hat.