Themen: Krieg&Frieden, Gesellschaft, Migration/Asyl
Regionen: International, Europa
Nach der Eroberung Ostpreussens durch die Rote Armee 1945 flohen zahlreiche deutsche Kinder über die Grenze nach Litauen, um Nahrung und Schutz zu finden. Historische Schätzungen gehen von 5000 bis 12’000 Kindern aus. Viele wurden von litauischen Familien aufgenommen, mussten aber neue Namen annehmen und ihre deutsche Herkunft verbergen, weil ihren Helfern Deportation drohte. Die später als «Wolfskinder» bezeichneten Überlebenden wuchsen häufig ohne Schulbildung auf, arbeiteten früh und verloren ihre Muttersprache weitgehend. Waltraud Minnt, Ella Karin Matimaitiene, Rudi Herzmann und Eva Briskorn berichten von Flucht, Gewalt, Armut und getrennten Familien. Kontakte zu Angehörigen in Deutschland kamen teils erst Jahrzehnte später zustande. Nach Litauens Unabhängigkeit versuchten manche, ihre deutsche Staatsangehörigkeit oder eine Übersiedlung durchzusetzen, scheiterten jedoch oft an fehlenden Dokumenten. Heute leben noch 63 Mitglieder der Edelweiss-Vereinigung in Litauen.