Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Nordamerika
Christopher Nolans Film «The Odyssey» verarbeitet Homers Epos als grosse Geschichte über Krieg, Zivilisation und den brüchigen Begriff des Helden. Matt Damon spielt Odysseus auf dem langen Heimweg nach dem Trojanischen Krieg, während Penelope und Telemachos in Ithaka auf ihn warten. Altertumswissenschaftler:innen kritisierten zahlreiche Abweichungen vom Original, etwa bei Göttern, Ethik, Kreaturen und Ausstattung. Die Kritik sieht darin jedoch keine blosse Werktreuefrage, sondern eine moderne Umdeutung. Nolan verknüpfe das Trojanische Pferd mit dem Bild einer zerstörten Zivilisation und stelle zwei Regeln menschlicher Gemeinschaft ins Zentrum: Gastfreundschaft und den respektvollen Umgang mit Toten. Ihr wiederholter Bruch markiere den moralischen Kollaps. Die Frauenfiguren Penelope, Helena, Kalypso und Kirke träten der Männergewalt mit deutlichen Reden entgegen. Auch die Besetzung des trans Schauspielers Elliot Page sei politisch eindeutig. Der Film sei trotz seines philosophischen Überbaus ein wirkungsvolles Kinospektakel.