Themen: Ukraine Krieg, Kultur/Feuilleton, Geopolitik
Regionen: International, Russland/Eurasien, Europa
Christiane Hoffmanns Buch «Die Träume, die wir hatten» verbindet persönliche Erinnerungen an das spätsowjetische Leningrad, die ukrainische Unabhängigkeit von 1991 und ihre spätere Arbeit in Moskau mit der Trauer um eine enge Freundin, die Suizid beging. Im Zentrum steht die Frage, ob Russlands Entwicklung zur nationalistischen Diktatur unter Putin und der Angriffskrieg gegen die Ukraine hätten verhindert oder zumindest beeinflusst werden können. Hoffmann diskutiert dabei die Nato-Osterweiterung, einen ausgebliebenen Marshallplan für postsowjetische Staaten und die Idee einer gemeinsamen Sicherheitsarchitektur. Zugleich hält sie fest, dass die osteuropäischen Staaten aus eigenem Sicherheitsbedürfnis in die Nato drängten und Putin mit seinem Essay über die historische Einheit von Russen und Ukrainern den Krieg ideologisch begründet habe. Der Rezensent würdigt die anschaulichen Erfahrungen und Facetten der russischen und ukrainischen Geschichte, vermisst aber eindeutige Antworten auf die politischen Ursachen.