Themen: Kultur, Kultur/Feuilleton, Krieg&Frieden
Regionen: Schweiz, Ostschweiz
Die St.Galler Aufführung von Giuseppe Verdis «Aida» nähert sich der Oper kritisch über Krieg, Nationalismus und die Menschen, die unter einem mörderischen System leiden. Statt auf dem weitläufigen Klosterplatz findet die Inszenierung im Grossen Haus statt, was den Blick auf die Figuren konzentriert. Amber R. Monroe gestaltet Aida mit schmerzhaften leisen Klagen, feinen Piani und langen Pausen. Libby Sokolowski überzeugt als Amneris mit ihrem verzweifelten und vielschichtigen Ringen. Beide Figuren sind Rivalinnen um Radames, erscheinen musikalisch jedoch als prägende Partnerinnen des Abends. Marcelo Puente gibt Radames robustere Konturen. Die Dreiecksbeziehung scheitert an den verfeindeten Königreichen, an Eifersucht und Verrat sowie an einem radikalen, lebensfeindlichen Liebesverständnis. Die Inszenierung stellt damit die individuellen Opfer von Macht, Krieg und nationaler Ideologie in den Vordergrund.