Themen: Geopolitik, Demokratie, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Nordamerika, Europa
Der Amerika-Mythos entstand nach Einschätzung von Elisabeth Bronfen aus dem religiösen Versprechen früher Siedler, in der Neuen Welt ein neues Jerusalem zu errichten. Im 18. Jahrhundert wandelte er sich zum säkularen Versprechen von Wohlstand, Anerkennung und sozialem Aufstieg. Literatur und Hollywood hätten dieses Bild immer wieder vermittelt, während es zugleich eine Ideologie bleibe, weil individuelles Scheitern dem Einzelnen zugeschrieben werde. Bronfen und Philipp Schweighauser erläutern auch die unterschiedlichen europäischen Beziehungen zu den USA: Deutschland sei nach 1945 von Befreiung, Wiederaufbau und Schuld geprägt gewesen, die Schweiz anders positioniert. Amerikanische Konsumgüter und das Bild der USA als Hort von Freiheit und Demokratie entfalteten grosse Wirkung, riefen aber seit den 1960er Jahren Kritik am Kulturimperialismus hervor. Beide erwarten trotz des gegenwärtig verschärften politischen Bruchs keine grundlegende Entkopplung Europas von den USA. Wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Verbindungen seien weiterhin eng.