Themen: Bildung, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Allan Guggenbühl beschreibt Schule als Raum der Menschenführung, in dem Lerninhalte durch Fantasie, Emotionen, Bilder und Geschichten Bedeutung erhalten. Kompetenzerwerb hänge nicht allein von Instruktion ab, sondern auch von inneren Befindlichkeiten. Er warnt vor einer «Inflation» wechselnder erwachsener Bezugspersonen: Neben Lehrpersonen seien Sozialpädagogik, Assistenz, Schulpsychologie, Logopädie und weitere Fachkräfte präsent. Trotz guter Absichten könne diese Vielfalt die Bindung an Schule schwächen, weil die Beziehungen zur Institution diffuser würden. Diagnosen wie ADHS, Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Autismus-Spektrum-Störung sollten Unterstützung ermöglichen, könnten Kindern aber zuerst eine defizitorientierte gesellschaftliche Rückmeldung vermitteln. Guggenbühl verlangt deshalb mehr positive, identitätsstiftende Zuschreibungen zu Stärken und Potenzialen. Pädagogische Konzepte, die Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und individuelle Themenwahl betonen, beruhten teilweise auf einem idealisierten Menschenbild. Schule müsse auch auf Frustration, Wettbewerb, Konflikte, Scheitern und gesellschaftliche Realität vorbereiten. Lehrpersonen hätten dabei als Erzählerinnen und Erzähler eine zentrale Orientierungsfunktion.