Themen: Gesellschaft, Gesundheit
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Junge Menschen setzen sich vermehrt mit persönlichen Bedürfnissen und Grenzen auseinander und sprechen im Alltag oft von «Boundaries». Angesichts von Anforderungen in Arbeit, Ausbildung und Beziehungen erscheint es nachvollziehbar, dass Abgrenzung und mentale Gesundheit stärker thematisiert werden. Begriffe aus der Psychologie wie «toxisch», «Trigger» oder «Boundaries» verbreiten sich dabei auch über soziale Medien und kurze Ratgeberformate. Sie können helfen, eigene Anliegen und Schwierigkeiten in Freundschaften oder Partnerschaften präziser zu benennen. Die wachsende Sensibilität hat jedoch eine problematische Kehrseite: Therapiesprache kann instrumentalisiert werden. Weil sie den Anschein besonderer Reflektiertheit vermittelt, kann sie als Legitimation dienen, sich der Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen anderer zu entziehen. Abgrenzung wird dann zur Ausflucht und kippt in Egoismus. Tipps für mehr Verbundenheit greifen zudem zu kurz, wenn strukturelle Ursachen von Belastung unangetastet bleiben.