Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft
Regionen: International, Europa
Die gleichzeitige Veröffentlichung von Blur’ «Country House» und Oasis’ «Roll With It» machte im August 1995 die sogenannte Battle of Britpop zum nationalen Ereignis in Grossbritannien. Blur verkaufte in jener Woche mehr Singles, während Oasis mit dem Album «(What’s the Story) Morning Glory?» später den grösseren langfristigen Erfolg hatte. Die Rivalität stand für «Cool Britannia», eine Phase kulturellen Selbstbewusstseins mit Britpop, den Spice Girls, Mode, Film und einer wieder salonfähigen britischen Symbolik. Sie fiel mit Tony Blairs Wahlsieg 1997, wirtschaftlichem Aufschwung und sinkender Arbeitslosigkeit zusammen. Der Optimismus flaute nach dem Tod von Prinzessin Diana, dem Niedergang von Britpop und dem Ende der Spice Girls ab. Ob die damalige nationale Selbstinszenierung den Brexit begünstigte, bleibt umstritten. Der Journalist John Harris verweist stattdessen auf wirtschaftliche und regionale Ungleichheiten; der Forscher Guillaume Clément nennt den Einfluss von Boulevardmedien und Fernsehen gewichtiger. Die aktuelle Rückkehr von Oasis und Labour weckt vor allem Nostalgie.