Themen: Gesundheit, CH-Politik, Wirtschaft/Finanzen
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Gesundheitsökonom Heinz Locher erwartet erneut steigende Krankenkassenprämien und sieht darin auch Folgen behördlichen Versagens. Er kritisiert, dass nach dem Bundesgerichtsurteil von 2019 zur entschädigten Angehörigenpflege zu spät Qualitäts- und Kontrollvorgaben eingeführt worden seien. Daraus sei ein margenträchtiges Geschäft entstanden; die Grundversicherung bezahle inzwischen rund 350 Millionen Franken jährlich. Auch die seit 2024 unter Bedingungen vergüteten Abnehmspritzen seien zu breit eingeführt worden und hätten im Vorjahr rund 200 Millionen Franken gekostet. Beim seit Januar 2026 geltenden Arzttarif Tardoc seien Warnungen ignoriert worden: Hausärzte profitierten nicht wie vorgesehen, Spezialisten hingegen stärker, was zusätzliche Kosten verursache. Langfristig verschärften medizinischer Fortschritt, Wohlstand, die Alterung der Babyboomer und die Spitaldichte den Druck. Locher fordert altersgerechtes Wohnen, niederschwellige Versorgung durch weitere Gesundheitsberufe, mehr Ausbildung von Hausärzten sowie einen Zehn-Milliarden-Fonds zur Bereinigung der Spitalstruktur statt dauernder Rettungen defizitärer Häuser.