Themen: Gesellschaft, Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Wallis/Graubünden
Jean-Blaise Fellay, 84-jähriger Jesuit, blickt auf eine gut besuchte katholische Trauermesse für einen verstorbenen Mitbruder zurück: Die Kirche war voll, rund fünfzehn Priester waren anwesend, die Familie engagiert und gläubig. Solche Abschiede erlebe er jedoch immer seltener. Fellay, der wie der Soziologe Bernard Crettaz aus dem Wallis stammt, kannte diesen aus dem Seminar in Sitten in den 1960er-Jahren. Später begegnete er ihm in Genf als Studentenführer und verheiratetem Mann wieder. Während Crettaz einen eigenen Zugang zum Thema Tod entwickelte, blieb Fellay Priester, arbeitete auch als Journalist und Kirchenhistoriker und begleitet heute Seminaristen geistlich. Er sieht die Kirche in einem tiefen Umbruch: In Sitten gebe es keine Seminaristen mehr, in Freiburg zwei. Zugleich vermisst er bei jungen Anwärtern das frühere pastorale Interesse an den Lebens- und Todesfragen der Menschen.