Themen: Krieg&Frieden, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Die Erzählung von «Sarajevo Safaris» behauptet, reiche Menschen aus Westeuropa seien zwischen 1992 und 1995 nach Sarajevo gereist, um auf Zivilistinnen und Zivilisten zu schiessen. Sie erhielt durch einen Film, ein Buch des italienischen Autors Ezio Gavazzeni und anschliessende Medienberichte grosse Aufmerksamkeit. Neuere Recherchen von Balkan Insight, FAZ und Übermedien dokumentieren jedoch zahlreiche Widersprüche. Gavazzenis spektakulärste Angaben stammen von anonymen Quellen; zwei namentlich genannte Kronzeugen distanzierten sich von seiner Darstellung. Die behauptete Zahl von rund 500 ausländischen Schützen erscheint auch angesichts von bis zu 350 dokumentierten zivilen Scharfschützenopfern höchst unwahrscheinlich. Einzelne Aussagen enthalten nachweisbare Fehler, etwa zur Frontlage bei Tuzla oder zum Tod des Kriegsverbrechers Arkan. In Italien, Österreich und Belgien laufen Ermittlungen, angeklagt oder verurteilt wurde bislang niemand. Belegt ist dagegen die Belagerung Sarajevos durch bosnisch-serbische Einheiten, unterstützt auch durch Kämpfer aus Serbien und der serbischen Diaspora.