Themen: Migration/Asyl, Gesellschaft, Demokratie
Regionen: International, Europa
Renaud Camus’ Pamphlet «Der Grosse Austausch» deutet Einwanderung als gezielte Verdrängung der angestammten Bevölkerung durch globale Eliten. Der französische Autor verbindet persönliche Verlustgefühle und Kulturpessimismus mit einer Erzählung von Migration als Eroberung, Gegenkolonisation und bevorstehendem Bürgerkrieg. Dabei löst er Begriffe und Zitate von Bertolt Brecht und Frantz Fanon aus ihrem historischen Zusammenhang und kehrt deren Bedeutung um. Als Belege dienen ihm subjektive Eindrücke und sogar Michel Houellebecqs Roman «Unterwerfung». Seine Theorie wurde von Akteuren wie Tucker Carlson, Viktor Orbán, der AfD und Marion Maréchal aufgegriffen und prägte rechtsextreme Parolen in Charlottesville. Attentäter von Christchurch, El Paso und Buffalo bezogen sich in ihren Manifesten auf den «Grossen Austausch». Camus fordert unter anderem Einschränkungen des Geburtsortprinzips, den Entzug von Staatsbürgerschaft und eine Begrenzung der Fortpflanzung Nichteuropäischer. Der Beitrag ordnet die Idee neben Ethnopluralismus und Remigration als Kern der Neuen Rechten ein.