Themen: Gesellschaft, Ungleichheit, Neutralität
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Patrick Vallélian argumentiert, die Schweiz sei trotz fehlender eigener Überseekolonien Teil kolonialer Ausbeutungssysteme gewesen. Als Hinweis nennt er den Wohlstand aus Produkten wie Schokolade und Kaffee, die nicht in den Alpen wachsen. Seit dem 16. Jahrhundert seien Genfer Bankiers und Basler Händler in globale Handelsdynamiken eingebunden gewesen, auch in den Sklavenhandel. Die Schweiz habe ihre Rolle diskret gestaltet: Sie bewegte sich zwischen kolonialen Grossmächten und pflegte zugleich das Bild eines neutralen, kleinen Landes ohne Zugang zum Meer. Hinter humanitären Aktivitäten, guten Diensten, Söldnern und Migration hätten sich finanzielle und kommerzielle Verbindungen zu den Imperien entwickelt. Dieser Imperialismus habe weniger auf militärischer Eroberung als auf Gewinnen aus der Kolonisierung anderer beruht. Unternehmen wie Nestlé, Novartis und ABB werden als Beispiele einer von Ressourcen aus anderen Weltregionen geprägten Wirtschaft genannt. Der Beitrag plädiert dafür, die kolonialen Grundlagen von Wohlstand und fortbestehende globale Ungleichheiten offen anzuerkennen.