Themen: Kultur/Feuilleton, Geopolitik, Krieg&Frieden
Regionen: International, Westasien
Pierre Hazan zeichnet in seinem Buch die Ermordung des britischen Nahostministers Walter Guinness, Lord Moyne, am 6. November 1944 in Kairo nach. Moyne wohnte als Mieter in der Villa von Hazans Grossvater Maurice Adès im Stadtteil Zamalek. Vorausgegangen waren erfolglose Kontakte um Joel Brands Angebot, die Nazis wollten eine Million ungarische Jüdinnen und Juden gegen Lastwagen und Güter freilassen. Brand schrieb Moyne eine abweisende Bemerkung über jüdische Einwanderung nach Palästina zu; ob sie tatsächlich fiel, bleibt unklar. Die zionistische Untergrundgruppe Lehi um Yitzhak Shamir sah in Moyne einen Vertreter der britischen Politik gegen jüdische Einwanderung. Eliahou Hakim und Eliahou Bet-Souri erschossen ihn und seinen Chauffeur bei der Ankunft an der Villa und wurden kurz darauf festgenommen. Hazan verknüpft die Tat mit den Konflikten um britische Herrschaft, Zionismus und Palästina sowie mit dem ideologischen Fanatismus der Beteiligten.