Themen: Kultur/Feuilleton, Geopolitik, Krieg&Frieden
Regionen: International, Westasien
Pierre Hazan rekonstruiert die Vorgeschichte des Mordes an Lord Moyne, dem britischen Staatsminister für den Nahen Osten, der 1944 in einer von seinem Grossvater Maurice Adès vermieteten Villa in Kairo erschossen wurde. Adès, ein jüdischer, arabischsprachiger und britischer Börsenmakler, stammte aus einer Familie, die von Aleppo nach Ägypten gelangt war. Seine Lebensgeschichte steht für die widersprüchliche Stellung orientalischer Jüdinnen und Juden unter europäischer Kolonialherrschaft. Nach finanziellen Schwierigkeiten vermietete er seine Villa in Zamalek an Moyne. Dieser war ein enger Vertrauter Winston Churchills und vertrat in der Palästinafrage eine restriktive Haltung zur jüdischen Einwanderung. Hazan schildert Moynes kolonial geprägte Weltsicht, den Krieg in Nordafrika und die Spannungen zwischen britischer Mandatspolitik, Zionismus und arabischem Widerstand. Die spätere Tat deutet sich als Folge dieser Konfliktlage an.