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Climeworks: Das Klima-Unicorn stolpert – Inside Paradeplatz

Inside Paradeplatz
Climeworks: Das Klima-Unicorn stolpert – Inside Paradeplatz

Eduard Salm ist diplomierter ETH-Verfahrensingenieur. 22.5.2026 Nach Meldungen über Entlassungen im letzten Jahr schien Climeworks wieder Fuss zu fassen, glaubt man den führenden Medien. Wagemutige Investoren steckten 162 Millionen Dollar in das Unternehmen, das breite Unterstützung honorigster Firmen geniesst, von Partners Group bis LGT. Der Cashzufluss erlaubte den Aufbau des „Climeworks DAC Innovation Centers“ in Zürich, angeblich das „weltweit grösste Innovationszentrum für Direct Air Capture (DAC)“. Dieses Jahr liess das Zürcher Unternehmen verlauten, dass das US-Energieministerium grünes Licht für die CO2-Abscheideanlage in Louisiana gegeben habe. Details zu Kosten oder der Finanzierung blieb Climeworks allerdings schuldig. Was die grossen Zeitungen aber nicht berichteten ist dreierlei: (1) Die beiden grossen CO2-Abscheider der Firma, Orca und Mammoth, scheinen immer noch nicht richtig zu funktionieren. Orca soll eine Kapazität von 4000 Tonnen pro Jahr haben, gemäss dem Zertifizierer Puro.earth wurden letztes Jahr aber nur 550 Tonnen entfernt. Das grosse Flaggschiff-Projekt Mammoth hat bei einer nominellen Kapazität von 36’000 Tonnen letztes Jahr sogar nur 350 Tonnen entfernt – also klägliche 1 Prozent der geplanten Kapazität, wenn die Zahlen von Puro.earth stimmen. (2) Langjährige Kunden wurden immer noch nicht beliefert. Einer der ersten Kritiker von Climeworks, Michael de Podesta, hat schon 2021 begonnen, CO2-Zertifikate von ihnen zu kaufen. Wie er dem Autor gegenüber bestätigte, wurde bis anhin gar nichts geliefert. Da die Lieferfrist unglaubliche 6 bis 7 Jahre beträgt, ist das streng genommen noch zulässig. Was aber nun erstaunt: Climeworks hat kürzlich die Preise für DAC-Entfernung von CO2 halbiert, von 900 Franken pro Tonne auf 450. Es ist schon fragwürdig, die Zertifikate jetzt zum halben Preis zu „vertschutten“, wenn man nicht mal die alten Bestellungen abwickeln kann. (3) CO2-Entfernung auf Kundenbestellung hin ist ein sehr spezieller Markt, wie die MIT Technology Review berichtet. Dieser Markt besteht zu einem grossen Teil aus einem einzigen Gross-Kunden: Microsoft. Angeblich hat das US-Tech-Unternehmen um die 80 Prozent aller je getätigten Bestellungen zur CO2-Entfernung ausgeführt. So viel zu den drei Punkten. Ob das Direct-Air-Capture Verfahren von Climeworks überhaupt Sinn macht, wurde auf in diesem Medium schon hinterfragt. Auch in der Schweizer Energiestrategie 2050 – definitiv nicht frei von utopischen Träumereien – wird DAC nur am Rande erwähnt. Hier zählt man auf Carbon Capture and Storage, bei dem CO2 direkt an der Quelle (zum Beispiel bei Müllverbrennung) aus Abgasen entfernt wird. Dies ist zwar auch unglaublich umständlich und teuer, aber eine Stufe realistischer. Sogar Climeworks scheint nicht mehr gänzlich von ihrer eigenen Technologie begeistert zu sein. Mittlerweile kann kann man auf ihrer Website CO2-Entfernung via Bäumchen-Pflanzen, Enhanced-Rock-Weathering-Verfahren und dergleichen bestellen. Was nur einen Bruchteil der Kosten des DAC-Verfahrens verursacht (nur 90 Franken pro Tonne). Was dann der Sinn der riesigen CO2-Staubsauger in der isländischen Tundra ist, erschliesst sich wohl nur noch wenigen.

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