Themen: Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur
Regionen: Schweiz, Ostschweiz
Archäogenetiker Johannes Krause erläutert im Kulturmuseum St. Gallen, wie sich aus alter DNA Erkenntnisse über Evolution, Migration und soziale Strukturen gewinnen lassen. Im Begleitprogramm zur Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» berichtet der Forscher über die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms und des Erbguts des Denisova-Menschen. Der Homo sapiens entstand in Afrika und breitete sich vor ungefähr 50'000 Jahren weltweit aus. Dabei kam es auch zu Vermischungen mit Neandertalern: Rund zwei Prozent des heutigen menschlichen Genoms stammen nach Krauses Angaben von ihnen. Wiederholte Wanderungsbewegungen hätten die genetische Vielfalt Europas geprägt. Krause folgert, dass sich biologische Menschenrassen nicht abgrenzen lassen. Europäer seien genetisch näher mit Ostafrikanern verwandt als Ostafrikaner mit Westafrikanern. Auch Hautfarbe bilde keine stabile Grundlage für Rassentheorien: Helle Haut habe sich erst vor etwa 5000 Jahren ausgebreitet. Ötzi sei dunkelhäutig gewesen und habe eine Anlage zur Glatzenbildung gehabt.