Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft, Ungleichheit
Regionen: International, Europa
Giulia Caminitos vierter Roman «Le Mal invisible» erzählt von Loris, einem knapp dreissigjährigen, literaturbegeisterten Hypochonder. Körperliche Empfindungen und vermeintliche Symptome beherrschen seinen Alltag; medizinische Foren und Krankheitsblogs bestärken seine Selbstdiagnosen. Seine Angst verschärft die Isolation: In einem schlecht bezahlten Job bei einem römischen Verlag häufen sich Fehler und Absenzen, während auch die Beziehung zu seiner pragmatischen Freundin Jo zerbricht. Begleitet wird Loris von Catastrophe, einer Gestalt seiner Vorstellung, und von den Erinnerungen an seinen früh verstorbenen Grossvater Tempête. Dessen Haus auf dem Land war für den überbehüteten Jungen ein Ort von Freiheit und Abenteuer. Der Roman legt nahe, dass Loris’ Bindung an die Kindheit auch einen Ausweg aus seiner Überforderung bieten könnte. Zugleich wird sein Einzelfall zum Bild einer Generation, die trotz Ausbildung kaum stabile Arbeit findet und sich mit schlecht entlohnten Praktika zufriedengeben muss. Die italienische Autorin knüpft damit an ihr Interesse für jugendliches Unbehagen und den schwierigen Eintritt ins Erwachsenenleben an.