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Der Blinde und der Taube

Tachles
Der Blinde und der Taube

Themen: Kultur/Feuilleton

Regionen: International, International Unbestimmt

Emanuel Cohn reflektiert zum jüdischen Neujahr über Freiheit, Verantwortung und die menschliche «Geworfenheit» ins Leben. Ausgangspunkt ist ein Satz aus den «Sprüchen der Väter», wonach Menschen ohne ihren Willen gezeugt, geboren und sterben, aber dennoch Rechenschaft ablegen müssen. Zur Erklärung erzählt Cohn die Parabel des Maggid von Dubno: Zwei Brüder, einer blind und einer taub, sind mit Frauen verheiratet, deren Eigenschaften sie wegen ihrer Behinderungen nicht stören. Ein Arzt heilt beide, worauf sie das Aussehen beziehungsweise die laute Sprache ihrer Frauen wahrnehmen und die Bezahlung verweigern. Der Rabbi entscheidet, dass sie entweder in ihren früheren Zustand zurückkehren oder den Arzt bezahlen müssen. Daraus folgert Cohn, dass Menschen ihr Dasein zwar nicht gewählt haben, es aber annehmen und für ihre Entscheidungen einstehen müssen. Er verbindet diese Deutung mit Heideggers Begriff des «geworfenen Entwurfs» und Sartres Vorstellung, der Mensch sei zur Freiheit verurteilt. Das neue Jahr solle zu guten Entscheidungen ermutigen.

Tachles

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