Themen: Krieg&Frieden, CH-Politik, Innen-Politik
Regionen: Schweiz, Zentralschweiz, International, Westasien
Die Universität Luzern verlängerte den Lehrauftrag von David Bollag auf das Herbstsemester 2025 nicht. Bollag lebt seit 2005 in der israelischen Westbank-Siedlung Efrat und war seit 2001 mit Lehraufträgen am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung tätig. Palästinasolidarische Studierende hatten 2024 seine Entlassung verlangt; die Universität bestreitet einen Zusammenhang mit der Nichtverlängerung. Der Internationale Gerichtshof erklärte im Juli 2024 die israelische Präsenz in den besetzten palästinensischen Gebieten und den Siedlungsbau für völkerrechtswidrig. Völkerrechtsexpertinnen und -experten sehen deshalb Prüfbedarf für Hochschulen: Sie müssten mögliche Sorgfaltspflichten gegen Wissenschafts-, Meinungs- und Persönlichkeitsrechte abwägen. Marco Sassòli hält eine Entlassung von Siedlern durch Schweizer Universitäten für geboten, während andere keine abschliessende Beurteilung des Einzelfalls abgeben. Das EDA sieht bei Lohn- und AHV-Zahlungen an Personen in Siedlungen grundsätzlich keine Unterstützung der Besatzung und keinen Handlungsbedarf. Die Universität verweist auf Forschungsfreiheit und darauf, Mitarbeitenden den Wohnort nicht vorschreiben zu können.