Themen: Kultur/Feuilleton
Regionen: Schweiz, Bern/Freiburg
Die Sonderausstellung «Mobilität zur Zeit Gotthelfs» des Gotthelf-Zentrums in Lützelflüh stellt mit einem Wal als dampfbetriebenem Transportwesen eine Erzählidee Jeremias Gotthelfs ins Zentrum. In den «Reisebildern aus den Weltfahrten eines Schneiders» von 1842 gelangt ein Berner Schneider in einen lebendig gefangenen, ausgehöhlten und luxuriös eingerichteten Wal, den Menschen wie ein Dampfschiff lenken. Die burleske Szene verbindet Ungeheuerrhetorik, technische Fantasie und Satire; der Wal erscheint kaum noch als Lebewesen, sondern als Tiermaschine. Der Essay ordnet das Motiv neben literarische Vorläufer und Nachfolger ein, darunter Chamisso, Jules Verne, Rudolf G. Binding und Giorgio Manganelli. Bei Carl Schmitt erhält der Leviathan zudem eine politische Bedeutung: England, als Seemacht mit dem Wal verbunden, verwandle sich durch Industrialisierung von einem grossen Fisch in eine Maschinenmacht. Die technische Metaphorik zeigt damit unterschiedliche Deutungen des Verhältnisses von Natur, Verkehr und Macht.