Themen: Kultur/Feuilleton, Leben, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Schweiz Unbestimmt
Eine Familie spielt sonntags Brändi Dog, obwohl nicht alle mitmachen wollen. Am Tisch wird über Tempo, Regeln und Karten gestritten, während als Einsatz lediglich der Abwasch wartet. Die Partie führt zur Geschichte der Spielkarten: Geistliche bezeichneten sie im Mittelalter als gottlos und habgierig, Obrigkeiten reagierten im 14. Jahrhundert mit Verboten oder Steuern. Das aufwendig gestaltete Pik-Ass erinnert an solche Abgaben. In der Schweiz musste bis ins 20. Jahrhundert eine Karte jedes Sets zur amtlichen Abstempelung nach Bern geschickt werden. Auch die Französische Revolution veränderte die Kartenbilder: Monarchische Figuren wurden durch Bürgerinnen und Bürger sowie die Losungen Liberté, Égalité und Fraternité ersetzt; das zuvor niedrigste Ass gewann symbolisch an Macht. Unter Napoleon kehrten die alten Motive zurück. Nach dem Sieg über das Team der Mutter bleiben die Karten als Spuren anderer Gesellschaften auf dem Tisch liegen.