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Die kleinen Tode in der Schwulensauna

Mannschaft
Die kleinen Tode in der Schwulensauna

Themen: Kultur/Feuilleton, Gesellschaft

Regionen: International, Europa

Vratislav Maňák untersucht in «Mit Wittgenstein in der Schwulensauna» die sozialen Codes schwuler Saunen, Badehäuser, Clubs, Herrentoiletten und Opern in Mitteleuropa. Der tschechische Schriftsteller und Literaturhistoriker verknüpft persönliche Erlebnisse mit historischen, literarischen, philosophischen und soziologischen Überlegungen. Als gedanklichen Bezugspunkt nutzt er Ludwig Wittgenstein und dessen Konzept der Sprachspiele. In der Wiener Kaiserbründl-Sauna beobachtet Maňák vor allem Kommunikation durch Blicke und Berührungen. Das weitgehende Schweigen beschreibt er als Schutz von Anonymität in einem Raum, in dem Körperkontakt und sexuelle Objektivierung freiwillig ins Zentrum treten. Die Sauna stehe dabei ausserhalb heteronormativer Kontrollmechanismen. Auch öffentliche Toiletten in Prag behandelt Maňák als historische Cruising-Orte. Parks und Toiletten hätten seit der Entstehung moderner Grossstädte gleichgeschlechtliche Nähe ermöglicht, zugleich aber Scham und Stigmatisierung ausgelöst. Als in den 1970er-Jahren Toiletten an der Prager Staatsoper abgerissen wurden, veranstalteten Schwule laut Maňák ein Trauerhappening.

mannschaft.com

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