Themen: Kultur/Feuilleton, Krieg&Frieden
Regionen: International, Europa
Die Erzählung, reiche Westeuropäer hätten während der Belagerung Sarajevos von 1992 bis 1995 gegen Bezahlung auf Zivilpersonen geschossen, gilt nach neueren Recherchen als höchst unwahrscheinlich. Medien hatten die Vorwürfe unter Berufung auf den Film «Sarajevo Safari» und zwei Bücher verbreitet, obwohl deren Quellen weitgehend anonym blieben. Journalisten von «Ballaballa-Balkan» und FAZ-Korrespondent Michael Martens zeigen zahlreiche Widersprüche auf: Ein behaupteter Flugweg führte über einen damals geschlossenen Belgrader Flughafen, geografische Angaben sind falsch, und namentlich genannte Zeugen distanzierten sich von Darstellungen. Für angebliche Beteiligungen von Aleksandar Vučić oder eines europäischen Königs gibt es keine konkreten Hinweise. Auch vor dem UN-Tribunal in Den Haag lieferte keine Zeugenaussage Belege für organisierte Touristenschützen. Nachweislich töteten Scharfschützen in Sarajevo rund 350 Zivilpersonen. Überlebende warnen, die unbelegte Legende missachte diese realen Opfer.