Themen: Migration/Asyl, Gesellschaft, Wirtschaft/Finanzen
Regionen: Schweiz, Zürich/Winterthur, International, Europa
Hunderte Menschen aus dem norditalienischen Lamon wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Winterthur aus, weil es im Dorf kaum Arbeit gab. Fabriken wie Rieter, Sulzer, SLM und die Spinnerei Töss benötigten Arbeitskräfte; Firmenvertreter rekrutierten junge Leute teils direkt in Lamon. Zeitweise lebten mindestens 70 Familien aus dem Ort in Töss. Die Migration war von Trennungen durch restriktive Regeln zum Familiennachzug, sprachlichen Schwierigkeiten und Fremdenfeindlichkeit geprägt. Die Schwarzenbach-Initiative wurde in Winterthur angenommen, schweizweit jedoch knapp verworfen. Viele Angehörige der ersten Generation kehrten nach der Pensionierung nach Lamon zurück, während ihre Kinder häufig in der Schweiz blieben. Heute stehen im italienischen Ort zahlreiche Häuser leer, obwohl Rückkehrer mit Schweizer Einkommen gebaut oder renoviert hatten. Der Verein Bellunesi nel Mondo in Winterthur altert und zählt noch rund 30 Mitglieder. Erinnerung, Sprache und Alltagskultur verbinden Lamon und Winterthur weiterhin.