Themen: Gesellschaft, Demokratie, Kultur/Feuilleton
Regionen: International, Europa
Hans Ernst Schneider, SS-Hauptsturmführer und Mitarbeiter im Umfeld Heinrich Himmlers, legte nach 1945 seine Identität ab und machte als Hans Schwerte eine zweite akademische Karriere. Mit gefälschten Papieren, einer angeblichen Kriegsgefangenschaft und Hilfe seiner Frau verschleierte er seine Vergangenheit. Nach einem Germanistikstudium wurde er Professor und 1965 Hochschullehrer in Aachen, später Rektor der Technischen Hochschule. Er erhielt Auszeichnungen bis hin zum Bundesverdienstkreuz. Obwohl Gerüchte über seine NS-Vergangenheit seit den 1970er-Jahren kursierten, blieb er lange unbehelligt. Erst niederländische Journalisten enthüllten 1995 seine Identität; Schwerte gestand daraufhin öffentlich und verlor Beamtenstatus und Pension. Die Historikerin Angelina Pils wertet nun Tagebücher und Hochschulakten aus. Ihre Studie rekonstruiert, wie personelle Kontinuitäten, institutionelle Schweigsamkeit und akademischer Korpsgeist den Übergang eines NS-Funktionärs zum anerkannten Repräsentanten der westdeutschen Nachkriegsdemokratie ermöglichten.