Themen: Gesundheit, Gesellschaft
Regionen: Schweiz, Ostschweiz, International, Europa
Erich Schlatter lebt seit seiner Entlassung aus der Verwahrung im Herbst 2025 in Pressiat im französischen Hinterland. Das Schaffhauser Obergericht hatte seine Freilassung angeordnet, weil ein Gutachter zwar weiterhin ein hohes Rückfallrisiko sah, aber keine erfolgversprechende Therapie mehr erkannte. Schlatter, bei dem 1964 Schizophrenie diagnostiziert worden war, war nach einer früheren Entlassung 2013 ohne Medikamente erneut durch Brandstiftungen, Verfolgungsjagden und Sachbeschädigungen aufgefallen. In Pressiat wohnt er nun bei Bernard Mercier in einer Rohkostpension, die der sogenannten Instinctotherapie folgt. Die Lehre behauptet, ungekochte Nahrung und Geruchstests könnten Krankheiten heilen; sie ist mit Mangelernährung und einer früher als Sekte eingestuften Gemeinschaft verbunden. Schlatter hat das Rauchen aufgegeben und 31 Kilogramm abgenommen, fährt mit dem Velo einkaufen und hatte bisher keine Polizeiprobleme. Er bezahlt 1800 Euro monatlich aus seiner AHV-Rente. Seine Beiständin und andere Beteiligte bezeichnen den Ort als Glücksfall, betonen aber die Abhängigkeit von Mercier und die Fragilität der Situation.